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Garantieaussagen im Online-Shop: Wann "garantiert" zum Abmahnrisiko wird

Veröffentlicht am 31.07.2026 · ca. 4 Minuten Lesezeit

"Garantiert wasserdicht", "100% sicher", "in jedem Fall wirksam" - Garantie- und Sicherheitsaussagen klingen nach starkem Marketing, ziehen im Online-Shop aber gleich zwei rechtliche Ebenen nach sich: Zum einen dürfen sie Verbraucher nicht täuschen, zum anderen lösen echte Garantieversprechen eigene Informationspflichten aus.

§ 479 BGB: Wer mit Garantie wirbt, muss informieren

Bietet ein Händler oder Hersteller eine echte Garantie an (nicht zu verwechseln mit der gesetzlichen Gewährleistung), greift § 479 BGB: Die Garantieerklärung muss klar und verständlich formuliert sein, auf die gesetzlichen (kostenlosen und durch die Garantie nicht eingeschränkten) Mängelrechte hinweisen sowie Dauer und räumlichen Geltungsbereich der Garantie enthalten - und dem Verbraucher spätestens bei Lieferung der Ware auf einem dauerhaften Datenträger zur Verfügung stehen. Fehlt diese Information oder ist sie unvollständig, ist das nach ständiger Rechtsprechung ein abmahnfähiger Wettbewerbsverstoß, weil § 479 BGB als sogenannte Marktverhaltensregel gilt.

Absolute Aussagen ohne echte Garantie

Häufiger als die formal fehlerhafte Garantieerklärung ist ein anderer Fall: Wörter wie "garantiert", "100% sicher" oder "niemals" werden rein werblich verwendet, ohne dass überhaupt eine rechtlich bindende Garantie gemeint ist. Solche absoluten Zusicherungen sind riskant, weil sie objektiv kaum haltbar sind - "wirkt bei 100% aller Anwender" lässt sich in der Praxis fast nie belegen und gilt dann als irreführende Werbeaussage.

Neu ab 27. September 2026: das Garantielabel

Bietet ein Hersteller freiwillig eine kostenlose Garantie auf das gesamte Produkt für mehr als zwei Jahre an, kommt ab dem 27.09.2026 eine weitere, eigenständige Pflicht hinzu: ein EU-weit einheitlich gestaltetes Garantielabel nach der EmpCo-Richtlinie. Es tritt neben die Informationspflichten aus § 479 BGB, ersetzt sie aber nicht - beide gelten dann parallel. Details dazu im separaten Beitrag Gewährleistungslabel & Garantielabel: Pflicht ab 27. September 2026.

Wie TextSentry hier hilft

TextSentry prüft Produkttexte in der Kategorie "Garantie- und Sicherheitsaussagen" auf absolute Zusicherungen ohne belegte Grundlage - von eindeutig unhaltbaren Aussagen (rot) bis zu unbelegten "garantiert"/"100% sicher"-Formulierungen im Graubereich (gelb). Die formale Prüfung einer vorhandenen Garantieerklärung nach § 479 BGB sowie die Gestaltung des ab 27.09.2026 ggf. verpflichtenden Garantielabels sind separate Fragen, die TextSentry nicht abdeckt. Testet die Werbeaussagen-Prüfung direkt in der kostenlosen Testprüfung.

Dieser Beitrag ist eine allgemeine Einordnung, keine Rechtsberatung, und ersetzt keine anwaltliche Prüfung des Einzelfalls. Weiterführend: Leitfaden der IT-Recht Kanzlei zur Garantiewerbung.